Pressespiegel

10.10.16

Sarah Hakenberg unterhält kurzweilig

Ein Schalke-Fan hat keine Angst

 

 

Wer hat Angst vor Spinnen? Vor Mäusen, vor Clowns, vor Schwulen, vor Ausländern, fragt Sarah Hakenberg gestern Abend im Kreativ-Haus und lässt das Licht etwas heller drehen, damit sie die Finger zählen kann. „Nur Mut“ heißt ihr neues, zweites Programm, mit dem sie im Prinzip ihre Tour startet. Nur München war früher, aber das ist schon eine Weile her.

 

Die in Bayern aufgewachsene Ur-Kölnerin fängt das Publikum mit ihrer Sympathie schnell ein. Sie teilt sich nur mit dem Flügel die Bühne, den sie immer wieder gekonnt bedient. Als es etwa um Homosexuelle geht, rät sie – um gesellschaftliche Akzeptanz herzustellen – , dass aktive Bundesliga-Profis sich outen, oder besser noch ganze Mannschaften. Wenn also etwa der FC Bayern sagte: „Ich bin schwul.“  Und schnell ist Hakenberg bei Berlusconi, der „sich im Gefängnis ganz entzückt nach der Seife bückt.“ Plötzlich ist alle Welt schwul – nur George Clooney, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sollten doch – bitteschön – hetero bleiben.

 

Da zahlt sich aus, dass die Kabarettistin schon seit ihrer Kindheit Klavier spielt. Denn auch das Publikum ist schnell auf Betriebstemperatur. Natürlich sind wir in Münster und nicht im Rheinland. Aber Hakenberg kennt das. Ihr Freund ist Ostwestfale aus der Nähe von Paderborn. „Die neigen nicht gerade zu Gefühlsausbrüchen,“ sagt sie selbst. Ihr Freund sei Dortmund-Fan und habe ganz offen über seine Ängste gesprochen. Schon sitzt Hakenberg wieder am Flügel. Wenn der gemeinsame kleine Sohn nun Schalke-Fan würde? So eine Angst kann sich schon auswachsen. Spätestens, wenn der Nachwuchs in der KITA ein blau-weißes Trikot trägt, muss gehandelt werden. Dann spielt die Kabarettistin bedrohliche Musik A – F – D – Angst vorm Denken. Und Hakenberg erklärt, dass die meisten Ängste irrational sind, dass man sich in einem zweiten Schritt diesen Ängsten stellen müsse.

 

Sarah Hakenberg hat die Herzen der Münsteraner gewonnen, sie hat ein kurzweiliges, intelligentes Programm gesponnen, sie ist selbstironisch und natürlich, Respekt.

(allesmuenster.de, 09.10.2016, von Burkard Knöpker)