Pressespiegel

14.11.16

Reichlich Munition verballert

Christoph Tiemanns neues Programm

 

 

Mit der Zugabe begann die Premiere des neuen Programms von Christoph Tiemann, der sich am Freitagabend erst langsam vom Schock erholte, dass nun „ein Witz ins Weiße Haus einzieht“. Er fragte sich, wer den Teleprompter füttere und somit die graue Eminenz hinter dem orangefarbenen Idioten sei. So leitete Tiemann sein Programm „Angriffslustig“ ein. Zwei Stunden lang machte er dem Titel alle Ehre. Tiemann zog verschiedene Register seiner Schauspielkunst in passender Kulisse mit Munitionskisten, Totenschädel mit Clownsnase, Luftschlangen und Patronengürtel, NRW- und Türkei-Fahne.

 

Der Kabarettist schwäbelte und sächselte, brachte Kölner Singsang und Münsterländer Gelassenheit auf die Bühne. Er spielte Erdogan und zugleich mit der Gefahr, nun nicht mehr seinen Urlaub in der Türkei verbringen zu können. Als er Fausts Osterspaziergang und Mörikes Frühlingsgedicht in seiner Pegida/AfD-Umdichtung rezitierte, war es mucksmäuschenstill im voll besetzten Theatersaal des Kreativhauses.

 

Tiemann wetterte humorvoll, komisch und mit viel Spielfreude gegen das „Drecksgerät“ Smart-Phone, Schützenfeste, RTL-Reality- Formate und Frauenfeindlichkeit der katholischen Kirche. Zugleich führte er auf, welche Errungenschaften wir dem Islam verdanken. Zivilcourage demonstrierte er à la Shakespeare und bewies, dass ein Leben in „Parallelgesellschaften“ wie Nordrhein-Westfalen wunderbar funktionieren könne, leben hier doch so grundverschiedene Spezies zusammen wie Rheinländer, Sauerländer, Münsterländer und Ruhrpottler – in einem Bundesland vereint, weil ein Engländer beim Scrabble mit dem langen Namen punkten wolle.

 

Ausgiebig angriffslustig zeigte er sich gegen „Hass, Intoleranz und Rückwärtsdenken“ der internationalen und deutschen Angstmacher, sprich Populisten. Statt permanent gegen ankommende Flüchtlinge zu wettern, sollten sie Steuerflüchtlinge an den Pranger stellen. Für die Ursache politischer Fehlentscheidungen hatte der Kabarettist den Grund parat: Politiker schlafen zu wenig – und er bedankte sich beim begeisterten münsterischen Premierenpublikum mit dem Wunsch „Schlafen Sie gut“.

 

(WN, 14.11.2016, von Maria Conlan)


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