Pressespiegel

23.03.17

Katie Freudenschuss

Comedy zwischen Hollywood und Alltag

Am Ende wehte doch die Windmaschine, um einen Hauch von Hollywood herbeizuzaubern… (Foto: cf)





Ja, der Name ist ein Pseudonym, darüber klärt sie gleich anfangs auf. In Wirklichkeit heißt sie Katja Freudenschuss. Auch in ihrer Wahlheimat Hamburg-St. Pauli blieben ihr mit diesem Nachnamen nur noch drei Karrieren offen: als Hure, Drogendealer – oder Künstlerin. Zum Glück hat sie sich für letzteres entschieden, wobei gar nicht so leicht zu sagen ist, für welche Kunst. Nennen wir es einfach Bühnenkunst. Auf ihrer Homepage beschreibt sie sich als Sängerin, Pianistin, Songschreiberin und „Sachensagerin“ – all das durfte das Publikum am Samstag an einem außerordentlich kurzweiligen Abend im Kreativ-Haus erleben.

 

Ihre manchmal haarsträubend komischen Geschichten führten oft nahtlos zu den Liedern. Oder umgekehrt. Gleich zu Beginn ließ sie ihren angeblich größten Hit ertönen: den Werbesong für Bratmaxe von Meica. Ihre Manager hätten sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass er seinerzeit oft in Funk und Fernsehen zu hören war. Seitdem versucht sie vergeblich, diesen Erfolg zu wiederholen – und träumt von Glamour, Glanz und Hollywood. So in etwa sah der rote Faden aus, bis sie am Ende feststellen musste, was der Titel des Abends bereits verraten hatte: „Bis Hollywood is eh zu weit…“

 

Ganz uneitel schilderte Katie Freudenschuss sich als Single mit Restwürde bei der Partnerwahl. Schließlich ist sie mit ihren 40 Jahren weder jung noch alt, sondern noch knackig, aber schon dankbar. Um der gelegentlichen Einsamkeit zu entkommen, sind ihr aber alle Wege recht. So stellt sie sich ohne Beschwerdegrund samstags an die Schlange des Reklamationsschalters bei Ikea, weil das gemeinsame Leiden zusammenschweißt („Wir sind verdammt nochmal viele!“). Oder sie fährt an das Ende des längsten Autobahnstaus, weil sie und ihr Warnblinklicht dort für einen kleinen Moment gebraucht werden – und damit Teil dieser gigantischen Lichterkette aus blinkenden Rücklichtern werden. Und dann bemüht sie auch noch die Ratgeberseiten in Frauenzeitschriften. Dazu wollten sich die zumindest anfangs noch zurückhaltenden Zuschauer aus Münster und dem westfälischen Umland nun gar nicht bekennen. Trotzdem konnte sie einem von ihnen ein paar Details aus seinem Leben entlocken – und schon improvisierte sie ein schmachtendes Liebeslied für Ulrich, dem Beamten aus Hamm mit den Hobbys Campen, Tüfteln und Jazz.

 

Mitsingen ist auch nicht so die Sache für das westfälische Publikum. Obwohl es bei den Schlachtgesängen der Fußballfans so einfach ist: „Olé, olé, Superdeutschland, olé, olé, olé!“, das kann eigentlich jeder. Es wollte aber keiner einstimmen. „Na, Münster, ist euch wohl zu prollig? Ihr seid ja gehobenes Bildungsbürgertum…“, so traf Katie Freudenschuss den Nagel auf dem Kopf. Um so begeisterter feierten alle ihre Bearbeitung verschiedener Fußballgesänge im Stil einer Sendung von Deutschlandradio Kultur – vom Kunstlied bis Tom Waits. Und am Ende entlockte sie den Zuschauern so allerhand lokale Stichworte, um daraus ein Medley bekannter Melodien zu improvisieren. Auf die Melodie von Lemon Tree hieß es dann „…und dann fragte ich mich: gibt’s hier auch Töttchen?“, zu You Are The Sunshine Of My Life sang sie von den Skulptur-Projekten und zu dem gerade mal wieder aktuellen Lied von Karat schließlich: „Sieben Mal wird Lewe Bürgermeister sein, aber dann schläft er vor Langeweile ein.“

 

Im Nu war der Abend mit herzzerreißenden Liedern, seltsamen Grimassen und Verrenkungen und mit fürchterlich pathetischen oder auch herrlich bekloppten Geschichtchen vorüber – und das begeisterte Publikum verließ das Kreativhaus mit dem irgendwie beruhigenden Gefühl, selbst doch ganz normal zu sein.

 

 

(allesmuenster.de, 20.03.2017, von Ralf Clausen)


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