Pressespiegel

27.11.17

Geradezu genial: Weihnachtsshow-Reihe von Impro 005 im Kreativ-Haus gestartet

Frohes Fest mit Schneegestöber

Von Arndt Zinkant

 

 

 

„Anna – Schneegestöber!“ Sobald Zuschauerin Anna die Weisung erteilte, musste das ganze Kreativ-Haus mit den Armen ein Flöckchengewusel machen. Um dem Gewusel auf der Bühne angemessen Respekt zu zollen. Zwar sah es eher wie eine stinknormale La-Ola-Welle aus, aber der Wille zählt. Auch und gerade beim Theater „Impro 005“, dessen traditionelle Weihnachtsshow zur mehrstündigen Zwerchfellmassage wurde – wie üblich! Da hätte Anna, vom „Weihnachtsmann“ Jan Sturmius Becker höchstselbst zum Show-Engel des Abends gekürt, ruhig etwas öfter ihres Amtes walten dürfen.

 

Kein Advent ohne Impro 005 – ohne Glühwein, Äpfel und Plätzchen fürs Publikum, ohne Santa-Claus’ Benefiz-Mütze, die für einen guten Zweck durchs Publikum „geangelt“ wird. Und ohne überdrehten Budenzauber der Impro-Truppe. Neben Jan Sturmius Becker, der den Wallebart erst zum Schluss ablegte, zauberten: Marcell Kaiser, dessen Brummbass sonst unterm Kostüm steckte. Jürgen Werner, dessen Augenrollen jeden Stummfilm-Mimen erblassen ließe. Und die famose Irmhild Willenbrink, die sämtliche Knallbonbons wogender Weiblichkeit im Repertoire hat. Wenn dazu noch Maestro Marcus Fischer vom samtigen Jazzen bis zu schwerem Orchester-Geschütz alles aus dem Keyboard feuert, gibt es ganz großes Kino.

 

Muss es auch geben – denn der Bibel-Schinken à la Hollywood gehört ebenfalls zum Advent. Als die Zuschauer-Vorgabe „Katastrophenfilm“ hieß, machten sich Maria und Josef (Willenbrink und Kaiser) auf den Weg, umtost von einem Wüsten-Sandsturm, der den Weg zur schützenden Krippe erschwerte. Die grummelnden Synthi-Streicher und -Fanfaren bliesen wie zum Jüngsten Gericht – bevor Jürgen Werner als „Herr Odes“ mit donnernder Stimme zur Volkszählung mahnte. Als jedoch die schützende Krippe erreicht war, spielte Werner die Drei Weisen (mit je einer Zipfelmütze auf der Hand) ganz allein, als kämen sie geradewegs aus Schlumpfhausen. Göttlich.

 

Bei Impro 005 ist die Lust am Scheitern wonnig einkalkuliert. Zum Beispiel, wenn in einem Dramolett sich Werner, Willenbrink und Kaiser wechselseitig synchronisieren müssen, bis man kaum noch weiß, wer wer ist. Dabei gilt es, einen Segeltörn vorzubereiten, wobei Werner als Willenbrink-Stimme ein frivoles Kauderwelsch aus dem Ärmel schüttelt, das wie Segler-Latein klingen soll. „Das Toppen und Foppen ist das A und O im Segelsport!“ Dann wäre da schließlich auch noch die Soap-Opera in der Metzgerei, der Grand-Prix-Song auf Senegalesisch (Marcell Kaiser!) und das Heavy-Metal-Lied „Kuschel mich“ mit wahrhaft höllischer Adventsstimmung. Alles genial. Anna – Schneegestöber!

 

 

(WN, 27.11.2017, Von Arndt Zinkant)